Vortrag am 13. Mai von Ulrike Herrmann über "Das Ende des Kapitalismus"
Aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrads in der Medienlandschaft und eines größeren Interviews im Vorfeld in den Nürnberger Nachrichten waren die Räume des Kulturbahnhofs brechend voll. Aber mithilfe einer Lautsprecherübertragung konnte auch Besucher im Eingangsbereich und in unserem Bistro dem Vortrag von Ulrike Herrmann gut folgen.
Gleich zu Beginn verwies Frau Herrmann darauf, dass sie keinesfalls Verfechterin einer zentralen Planwirtschaft kommunistischer Prägung ist und den Kapitalismus eher bewundert, weil er in Kürze soviel Wohlstand erzeugen konnte. Leider lässt sich jedoch sein innewohnender Expansionszwang und -drang (auch bei noch soviel technischem Fortschritt incl. KI) nicht mit den planetarischen Grenzen vereinbaren, was inzwischen überdeutlich am grassierenden Artensterben, dem sich beschleunigenden Klimawandel, den kriegerischen Auseinandersetzungen um knapp werdende Rohstoffe und an vielen anderen Umweltzerstörungen offenbart. Ein Zurückfahren bzw. Schrumpfen der erwerbswirtschaftlichen Tätigkeiten sei deshalb angezeigt. Die meisten Ökonomen in Wissenschaft und Praxis sowie Politiker verschließen allerdings davor ihre Augen. Es gibt keine Theorie oder gar einen Masterplan für das Schrumpfen oder für eine steady state economy mit einer anderen (niederentropischen) Qualität der Gütererzeugung und einer konsequenten Kreislaufwirtschaft in einer Demokratie. Ob und wie das gelingen könnte analog der (unter völlig anderen Umständen erfolgreichen) britischen Rationierungswirtschaft ließ die Referentin offen. Immerhin wären drastische Einschnitte im Flug- und Autoverkehr, in der Landwirtschaft, dem Wohnungsbau, in der Ernährung u.v.m. vonnöten. Ein Wohlfahrts-niveau der 70er Jahre könnte aber durchaus auch mit einem Gewinn an Lebensqualität verbunden sein!
Obwohl in den Industrieländern punktuell mittlerweile beachtliche Initiativen auf verschiedenen Handlungs-ebenen entstanden sind, Lebensstile sich langsam verändern und über verschiedene Reallabore ein plurales Wirtschaften Platz greift (der Kulturbahnhof Ottensoos will ja dafür seit 14 Jahren ein Forum sein) sieht Ulrike Herrmann darin wenig zielführende Zugkraft. Eine weltweite Klimaneutralität z.B. sei bis 2045 damit nicht zu erreichen.
Die anschließende Diskussion verlief sehr lebhaft und vermisste auch Hinweise auf Veränderungsprozesse, die einzuleiten wären - nicht nur in technischer und ökonomischer Hinsicht sondern auch durch eine Kultur der Nachhaltigkeit (zu der auch gerade die Kunst Beiträge leisten kann).
Der Kulturbahnhof hatte eine Diskussionsrunde zur Vertiefung dieser vielen offen gebliebenen Fragen am Donnerstag, 28. Mai um 19.00 Uhr.
Um "Alltagskompetenzen" zu lernen (inzwischen staatlich verordnetes Pflichtprogramm für 1 Tag im Jahr) war am 21. Mai die Realschule Hersbruck (Klasse 8) bei uns. Die 4 Gruppen teilten sich auf in "Kreatives Nähen", " Schmuckkästchen bauen" (aus alten Zigarrenkisten), Zusammenhänge zwischen dem "Bahnhofsgebäude" und der "Kunst" mit dem Ziel "Nachaltige Entwicklung" zu erkennen. Vor den beiden Lehrkräften (die Frauen Lösel und Zagel) und dem Konrektor Hr. Ondrusek wurden die Ergebnisse schließlich gegen MIttag präsentiert.
Weitere Fortsetzungen sind vorgesehen. Wir haben uns immer als Lernort im außerschulischen Bereich angeboten.