Rückblick Veranstaltungen 2019

Fotos: Jürgen Lassauer

17. Oktober 19.00 Uhr Wendezeit - literarische und musikalische Interpretation des Zyklus "Zeiten"

Zum ersten Mal wurde im Kulturbahnhof Ottensoos der seit 7 Jahren dort ausgestellte Zyklus "Zeiten" (Zeitmaschine- Maschinenzeit, Zeitenwende-Wendezeit) als  Gesamtkunstwerk aufgeführt. Zu Beginn gab die Künstlerin Renate Kirchhof-Stahlmann Einblicke in das Werk, das 1991/92 entstanden ist für das Tagungsprojekt "Ökologie der Zeit" der Evangelischen Akademie Tutzing. Die ersten 6 Bilder des Zyklus thematisieren die Beschleunigung der Zeit, in die wir derzeit alle verhaftet sind und die zunehmende Gefahr, mit der Maschine laufen zu müssen und zum Maschinen-menschen zu werden. In den weiteren 6 Bildern -  teilweise in Transformationen zu einer Postwachstumsgesellschaft bereits sichtbar, teilweise noch Vision - wird ein bewusstes Innehalten und Stehenbleiben in der Zeit beschworen und auf neue Formen eines entschleunigten  Wirtschaftens und Lebensstils verwiesen mit einer besseren Ausbalancierung  unserer inneren mit der uns umgebenden äußeren Natur.

Bei der literarischen und musikalischen Interpretation ging es nicht darum, Bilder mit Texten und Musik nur zu untermalen, sondern vielmehr eine "zweite und dritte Stimme"  zum Vorhandenen zu schaffen und somit den Dialog zwischen mehreren Künsten zu ermöglichen. Die menschliche Stimme, das unmittelbarste aller  Instrumente wurde von Rayka Wehner (Vokalistin, Metropolmusik e.V. Nürnberg) eingesetzt. Klassische Instrumente, selbstgebaute Klangkörper, teilweise verfremdet oder multipliziert durch Live Elektronik, verwendete  Anna Späth (Klangraum Schönberg). Die Texte wurden von Volker Stahlmann verfasst und vorgelesen. Die Aufnahmetechnik lag in der Hand von Rudolf Thiessen, der Bilder, Texte und Musik  in einem Film zusammengefasst hat.

Die Besucher waren von dem Gesamterlebnis beeindruckt und starkt berührt.

 

 


20. September 9.30 - 11.30 Uhr

Zwei neunte Klassen mit drei Lehrern des Christian Ernst Gymnasiums Erlangen besuchten uns mit der S-Bahn, um sich über das Konzept des Kulturbahnhofs zu informieren, mit uns zu diskutieren und weitere Kooperationen zu planen. Anlass war nicht zuletzt die "Fridays for Future" Bewegung, deren Anliegen das Gymnasium konstruktiv in den Unterricht einbeziehen will. Aufgrund der knappen Zeit und einer bahn-bedingten Verspätung mussten viele Fragen offen bleiben. Bemerkenswert war dennoch die hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit, welche die Jugendlichen angesichts des bedrohlichen Klimawandels zeigten.

 

 


8. September 14 - 18.00 Uhr Tag des offenen Demkmals

Schon traditionell lockte der Tag des offenen Denkmals viele Besucher zu uns. Sie konnten sich im gesamten Haus umsehen,erhielten Führungen und sahen die Langfassung des Films über die Sanierungsgeschichte des Bahnhofs. Natürlich konnte im Bistro auch gemütlich eine Tasse Kaffee genossen werden.

Foto: Mile Cindric


15. September 16.00 Uhr Versteigerung von Bildern und Plastiken des Laufer Künstlerkreises

Die Auktion fand zugunsten von "Plant for the Planet" statt (Initiative des neunjährigen Felix Finkbeiner), die weltweit  bisher 15 Milliarden Bäumen gegen den Klimawandel angepflanzt hat. Ottensoos wird sich voraussichtlich im November aus dem beachtlichen Erlös der Versteigerung und sonstiger Spenden ebenfalls mit einer Baumpflanzaktion beteiligen (Erweiterung der Streuobstwiesen und Umgestaltung des Pausenhofs der Grundschule).


18. Juli 19.00 Uhr Digitalisierung der Arbeitswelt - Fluch oder Segen?

Hans Sterr, Referent für Grundsatzpolitik und Leiter der Arbeitsgruppe Digitalisierung bei ver.di Bayern begann seinen Vortrag mit dem Eingeständnis, die zukünftigen Auswirkungen der Digitalisierung nur schwer abschätzen zu können. Prognosen der Oxford University (Frey, Osborne) sehen zwar für die USA (bezüglich der algorithmisierbaren Berufe) ca. die Hälfte vom Arbeitsplatzverlust bedroht (allerdings ohne Berücksichtigung neu entstehender Geschäftsfelder), die BfA spricht von ca.15%. In jedem Falle wird die digitale Umwälzung aber die Beschäftigung im Erwerbsbereich reduzieren, tief in unser Privat- und Berufsleben eingreifen, was jetzt schon der Fall ist und was Sterr an verschiedenen Beispielen plastisch vor Augen führte. Dass der Mensch mittlerweile in Millionen von Daten zerlegt und kommerziell manipuliert wird ist eine von vielen negativen Seiten. Die andere positive Chance wäre - wie auch in der Diskussion erörtert - Arbeit neu zu verstehen

(1/3 Erwerbsarbeit, 1/3 Eigenarbeit, 1/3 Gemeinwohlökonomie), ein freies Internet (unabhängig von Silicon Valley) zu schaffen und mit einem garantierten Grundeinkommen (finanziert z.B. durch Finanztransaktions-, Kapital-, Energie-, Grund-, Erbschaftssteuer) eine allgemeine Basis für selbst-

bestimmte Lebensführung  jenseits einseitiger Konsum- und Einkommensfixierung zu schaffen. Von der Zukunft ist zwar oft nur gewiss, dass sie kommt - aber die Digitalisierung

ist keine Naturgewalt, sie wird von uns gemacht, muss also auch von uns human, sozial und ökologieverträglich gestaltet werden!

 

 

6. Juni 19.00 Uhr        Das Verhältnis der Religionen zur Natur - ein interreligiöses Gespräch

Die Vorführung des Filmklassikers der Umweltbewegung "Söhne der Erde" (1973) brachte den krassen Gegensatz zwischen den Naturreligionen und der Sicht des "Weißen Mannes" in einem zweifelnden (fiktiven) Selbstgespräch des Indianerhäuptling Seattle zum Ausdruck. Danach eröffnete Michaela Moritz die Podiumsdikussion mit Vertretern der evangelischen(J.Harder) und katholischen Kirche (G. Netal-Backöfer), des Islam (A.Koc´) und des Buddhismus (R.Späth). Besonders weitblickend und mutig äußert sich hierbei die Enzyklika "Laudato Si´ " des Papst Franziskus, die der Natur einen Eigenwert zuerkennt mit dem Ziel, dass der Mensch sich zu seinem eigenen Überleben zurücknimmt und die Natur mit ihrem ganzen Schöpfungsreichtum fördert und bewahrt. Aus der Diskussion war der Wunsch deutlich zu vernehmen, dass die zweifellos gewachsene Sensibililtät der Religionen gegenüber unserer Mitweltzer-störung mehr konkretes Handeln, eine stärkere Einmischung in die Politik und eine entschiedenere ökumenische Bewegung gegen eine maßlos gewordene Wirtschaft folgen lässt.

31. Mai 9.30 - 11.30 Uhr

Besuch von zwei Klassen der Grundschule Ottensoos.

Um die vielen Fragen während des Rundgangs zu beantworten war die Zeit viel zu kurz. Das Interesse an dem Thema und die Resonanz waren groß. Wir denken, dass es für die Schülerinnen und Schüler  nicht die letzte Beschäftigung mit dem Thema Kunst und Nachhaltige Entwicklung war.

 


Donnerstag, 16. Mai 19.00 Uhr

Lesung von Helmut Haberkamm: "Es is immer bloß a Bamm"...................

......und weitere Waldgebiet werden zu Gewerbeflächen, weitere Ackerflächen zu Wohngebäuden, immer noch Straßen verbreitert, Monsterbrücken gebaut, Flughäfen erweitert, obwohl längst schon feststeht, dass wir von der Substanz unseres Planeten leben und es keine Ersatzflächen gibt.

Helmut Haberkamm brachte es mit seinen sensiblen Mundartgedichten über unsere fränkische Heimat auf den Punkt: " Bloß am End stenners na dodd mid gwaschna Häls und beeglda Hoosn

                    Un mid aufgrissna Aang stierns widdi Eelgetzn in di Weltgschichd

                    Gratzn middi Finger am Lagg un am Gloos un am Blech un am Deer

                    Un suhng nooch an bißla, bloß an Fitzerla vooam ganz annern Leem."

Mit fünf passenden Stücken des "Zwiefachen" begleiteten ihn drei Altersgruppen von Musikern um die Familie Späth (Klangraum Schönberg): Arved Späth, Klarinette (12), Geneva Späth, Gitarre und Gesang (20) und Cecilia Lindl, "Nachschlag-Geige" (79), letztere den Laufern bekannt durch die "Erbsenboden-

                                                                                                                    musik", die sie lange Zeit mit ihrem (inzwischen verstorbenen) Mann aufführte.

Donnerstag 11. April 19.00 Uhr

Vortrag von Prof. Hans Immler: "Ist eine Versöhnung von Natur und Wirtschaft möglich?"

Anhand von 6 Thesen (die jeweils mit dem Publikum diskutiert wurden) erläuterte Immler sein Konzept

einer naturverträglichen Ökonomie, bei der die Erhaltung und Stärkung der Wertschöpfungskraft

der Natur eine zentrale Rolle spielen. Letztlich produziert nur die Natur. Der Mensch transformiert ihre 

Werte in einer destruktiven Weise, erzeugt zwar materiellen Wohlstand, aber ohne gleichzeitig die Verluste des Naturvermögens aufzuzeigen. In einer ökologisch-sozialen Ökonomie müssen neben dem Finanzkapital auch die Veränderungen des Sozial- und Naturkapitals laufend beachtet werden.

Eine große Gefahr sieht Immler durch das Basteln am menschlichen Individuum und durch die Wert-

erzeugung mit Organismen, Biotechnologien und genetischen Produktionsmethoden )(CRISPR CAS) und künstlicher Intelligenz (KI). Damit würde sich der Mensch nochmals mehr von der Natur trennen und zum empfindungslosen Maschinenmenschen mutieren.

Donnerstag 21.März 19.00 Uhr

Vortrag von Reinhard Knodt: "Vom Bauen als Zerstören - warum wir mit der linken Hand vernichten, was wir mit der rechten schaffen."

Der Schriftsteller und Philosoph Reinhard Knodt (Gründer des philosophischen Salons im Ort Schnackenhof in Röthenbach a.d.P. über den es ein herrliches Büchlein gibt, in dem er auch schreibt: es ist die " in einem stillen Schrecken akzeptierte Vermutung, dass wir womöglich alles, was wir aufbauen, zugleich vernichten - schon indem wir bauen") begann mit einer literarischen Reise durch die Menschheitsgeschichte, einer immer größer werdenden Vereinnahmung und Beherrschung der Welt mit ansteigender Beschleunigung bis in unsere heutige Zeit. Warnungen über die Vergewaltigung und Mutation des Menschen und seiner natürlichen Umwelt durch die von ihm selbst geschaffene Technik blieben dabei nicht aus. Sie reichen von der Antike (z.B. Aristoteles, Seneca) über verschiedene Gegenbewegungen der Romantik bis in die Moderne (z.B. Klages, F.G. Jünger, Marcuse, Fromm). Inwieweit der technische Fortschritt und das "technische Kollektiv" (F.G.Jünger) eine Eigendynamik besitzt und wie diese in eine nachhaltige Entwicklung gelenkt werden könnte, darüber entspannte sich eine lebhafte Diskussion, die der mehr atmosphärischen Betrachtung Knodts konkret umsetzbare Antworten abverlangte.

An einem Büchertisch konnte man sich anschließend vom Autor  Veröffentlichungen signieren lassen (jüngste Veröffentlichung: "Der Atemkreis der Dinge- Einführung in die Philosophie der Korrespondenz").

Freitag 1. März  17.00 Uhr

Eröffnung der Sonderausstellung "Entlässt die Natur den Menschen?"

In der närrischen Zeit einen Vortrag über ein ernstes Thema zu halten war gewagt, aber nicht unbedingt abwegig, wenn man an das Narrenschiff

denkt, mit dem die Menschheit mit immer höherer Beschleunigung die Ressourcen ihres Planeten verbraucht. Mit seinem einführenden Vortrag wollte

Volker Stahlmann nicht zum wiederholten Male Fakten der Umweltzerstörung einer vorherrschenden Kurzsichtökonomie auf den Tisch legen, sondern

zwei unterschiedliche , diametral entgegenlaufende Weltsichten skizzieren, die auch in der Sonderausstellung zum Ausdruck kommen: einerseits die

einer zunehmend technisierten, industrialisierten Welt mit dem Entstehen angepasster, flexibel reagierender "Maschinenmenschen" und dem drohenden

Zusammenbruch, andererseits die Sehnsucht nach einer die innere mit der äußeren Natur versöhnenden ökologischen Humanität.  Beide Strömungen

sind heute sichtbar und müssen - bei allen auftauchenden Widersprüchen - neu ausbalanciert werden.

Der Besucher der Sonderausstellung wird zuerst von Goethes "Fragment zur Natur" empfangen, sieht im Raum des "Fortschreitenden Fortschritts" mit

dem "Maschinenmenschen" das Wandbild einer zurückgedrängten Natur mit  in den Wolken schwebenden nackten Menschen voller Illusionen.  Der zweite,

mit "Erinnerungen" überschriebene Raum präsentiert dagegen Zeichnungen der Begrenzung (auch im Format!), des Innehaltens und der Zwiesprache

mit der Natur. Das Wandbild und die farbigen Kohlezeichnungen sind von Volker Stahlmann, die Installationen (Vögel und Maschinenmensch) von Renate

Kirchhof-Stahlmann.

Download
Einführung in die Sonderausstellung von Volker Stahlmann
Einführung Sonderausstellung.pdf
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